POTSDAM /
SANSSOUCI - Frederic Schüler kennt den Ursprung der eigenen Faszination nicht genau. „Das ist eine Krankheit, die von irgendwo her kommt“, sagt der 31-jährige Müller mit dem Lausbubencharme. Keiner seiner Ahnen übte den Beruf aus, eine Verbindung zum Ländlichen hat der in Babelsberg Aufgewachsene auch nicht. Und doch bestand für Schüler nie ein anderer Berufswunsch als der des Müllers. Seit einigen Jahren arbeitet er in der durch die Legende bekannten Mühle von
Sanssouci: „Das ist wie ein Sechser im Lotto. Mit Zusatzzahl.“ Nach einer umfangreichen Sanierung „seiner“ Mühle kann Schüler seit gestern wieder an die Arbeit gehen.
Eine Viertelmillion Euro hat die Stiftung „Preußische Schlösser und Gärten“ in den Wiederaufbau investiert. „Es war höchste Zeit – die Fäulnis saß in vielen Holzteilen“, erläuterte Museumsleiter Torsten Rüdinger. Die Tragfähigkeit der Galerie war in Mitleidenschaft gezogen, sie musste für Besucher gesperrt werden. Dazu kamen Schäden am Krühwerk, mit dem die Flügel der Mühle in den Wind gedreht werden. An den Dachschindeln hatte sich ein frecher Specht zu schaffen gemacht, so dass auch hier Ersatz vonnöten war.
Dabei wurde erst Anfang der 90er Jahre zur 1000-Jahr-Feier der Stadt die letzte Sanierung abgeschlossen. Neue Techniken sollen nun Versäumnisse aus der Vergangenheit vergessen machen. „Wasser ist das limitierende Element für das Material Eiche“, sagt Objektplaner Ingo Dräger. „Wenn Feuchtigkeit in die Risse und Spalten des Holzes dringt, wird es schwierig.“ Deswegen bedecken nun Edelstahl-Bleche die empfindlichen Flächen, selbst wenn das in der ursprünglichen Bauweise nicht vorgesehen war. Der Denkmalschutz hatte keine Bedenken, da sie kaum auffallen.
Ohnehin ist die heutige Mühle ein Nachbau: Nachdem ihre Vorgängerin ab 1787 erbaut worden war, brannte sie im April 1945 bei Kampfhandlungen nieder – von einem sowjetischen Panzer, der von einer Panzerfaust getroffen worden war, sprangen die Flammen über. Für die neuen Balken und Hölzer ist übrigens wiederum Eiche verwendet worden, bis auf zwei Ausnahmen. „Als wir zwei lange und dünne Balken wollten, haben uns die Förster erstmal ausgelacht“, berichtet Dräger. „Eichen wachsen ja eher kurz und dick.“ Also wurden Douglasien verwendet. Obwohl nicht ganz so haltbar wie Eichen, ist Dräger dennoch guter Hoffnung, dass die Mühle nun „wenigstens ein, zwei Generationen“ ohne Sanierung übersteht.
Müller Schüler kann jetzt wieder damit beginnen, für den Mühlenshop und Privatleute Mehl, Gries und Kleie zu mahlen. „Es hat auch damit zu tun, dass man ohne das Zeug aus der Steckdose auskommt“, fällt ihm doch noch etwas zur Faszination ein. „Ich darf das sagen, denn ich habe zuerst Elektriker gelernt“, sagt er lachend. (Von Sebastian Scholze, MAZ)

0 Klicks